Andacht für den 21.06.2020

Was gibt Ihnen in diesen unsicheren Zeiten Hoffnung? Was macht Ihnen Mut?
 

Viele machen sich ja Sorgen, dass Corona noch lange Zeit unseren Alltag bestimmt. Und das wir erst wieder langsam lernen müssen, ohne Angst auf fremde Menschen zuzugehen.

 

Gestern saßen sich auf der Terrasse unserer Mitbewohner zwei Männer auf Gartenstühlen in gebührendem Abstand gegenüber. Beide trugen einen Mund-Nasenschutz und versuchten, sich so gut wie möglich miteinander zu verständigen. Ich dachte: Wie lange wird das so sein? Bis endlich ein Impfstoff gefunden ist? Vielleicht.

 

Unsere Tochter geht seit einer Woche wieder in die Schule in den Präsenzunterricht. So richtig gute Laune macht ihr das alles nicht. Aber wir sind froh, dass sich nach drei Monaten wieder ein  Rhythmus einspielt.

 

Wie gehen Sie mit den zunehmenden Lockerungen um? Sind Sie erleichtert, weil wieder vieles erlaubt ist oder eher irritiert über die Geschwindigkeit, in der manche sich nahezu „normal“ durch den Alltag bewegen? Machen Sie sich Sorgen über eine „zweite Welle"?

 

Gestern beim Gang über den Schlossplatz in Oldenburg entdeckte ich ihn wie so oft schon in diesen Wochen: Einen Regenbogen. Menschen demonstrierten unter seinen Farben für die Gleichwertigkeit all der unterschiedlichen Weise, das Leben und die Liebe zu gestalten. Das scheint in diesen Zeiten wieder nötiger denn je zu sein. In der Krise, so stellen wir fest, fallen viele wieder auf alte Denkmodelle und wirkmächtige Traditionen zurück. Kindertagestätten scheinen nicht so wichtig zu sein wie Möbelhäuser. Und deutlich mehr Mütter als Väter müssen den Spagat zwischen Berufstägigkeit und Kinderbetreuung leisten. Und nicht nur Nationen bestehen auf neue Grenzen und achten auf ihre Interessen. Täusche ich mich, oder sind viele Mitmenschen gerade dabei, wieder ein wenig mehr auf den eigenen Vorteil zu schauen? Wie sehen Sie das?

 

Ganz am Anfang, so erzählt es die Urgeschichte der Bibel, als die Welt sich sortierte und grundlegende Regeln für das Miteinander ausgehandelt und eingeübt wurden, musste auch Gott als Schöpfer allen Lebens sein Handeln neu überdenken. Der freie Mensch war im Herzen und im Denken oft genug böse. Und nur einer, Noah, fand Gnade vor Gott (1. Mose 6, 5-9).
Eine schreckliche Katastrophe, die Sintflut, vernichtete fast alles Leben. Nur alle, die auf der Arche Noah Platz fanden, überlebten. Und bekamen eine neue Chance. Gott hatte ein Einsehen. Der Mensch wird auch in Zukunft gegen die guten Regeln des Lebens verstoßen. Aber davon wird Gott in Zukunft  seine Sorge für seine Geschöpfe nicht mehr abhängig machen. „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht“ (1. Mose 8, 22).

 

Und als Zeichen für diesen Bund Gottes dient der Regenbogen (1. Mose 9, 16). Immer, wenn Regen und Sonne sich auf diese besondere Weise begegnen, schaut Gott sich diesen farbenprächtigen Bogen an und wird sich daran erinnern, was er versprochen hat.

Ich finde diese Verheißung der Treue Gottes zu seiner Schöpfung großartig. Überall, wo ich das Zeichen des Regenbogens entdecke, weiß ich mich mit Menschen verbunden, die die Hoffnung für diese Welt einfach nicht aufgeben. Sie stecken den Kopf nicht in den Sand. Sie heben trotz aller Miesmacher und Untergangspropheten den Kopf und nehmen das Herz in die Hand. Sie tragen ihren Teil dazu bei, dass der Rhythmus des Lebens für möglichst alle Geschöpfe ein Segen ist und bleibt. Gott sei Dank!

 

Matthias Hempel, Pfarrstelle für Konfizeit in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg

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